Suchen oder finden? USB-Stick und Linux

An einem Freitag Abend fand das vierte Open-Source-Treffen in München statt mit ca. 50 Teilnehmern. Veranstaltet werden die Treffen vom OpenOffice.org Deutschland e.V., unter der Regie von Florian Effenberger, Mitglied des Vorstands und Carsten Book von der Mozilla Foundation. Der Veranstaltungsort, das Café Netzwerk, ist passend gewählt.Ein Computer-Café für Schülerinnen und Schüler im Berufsbildungszentrum München. (Nicht leicht zu finden, weil hinter unscheinbaren Türen in einem Keller gelegen. Auf der Website gibt es aber eine gute Wegbeschreibung- für die nächsten Treffen!).

Das Treffen wurde strukturiert durch vier Vorträge:

  • Joel Hatch erklärte, wie CAcert, die (kosten)freie Zertifizierung, funktioniert
  • Heinz Gräsing stellte überzeugend x2go, ein Open Source Terminal Server Projekt, vor
  • Florian Effenberger brachte Zahlen und Erläuterungen zu OpenOffice.org
  • Carsten Book bat zu  “Mozilla: Get involved”

In den Pausen gab es eine große CAcert-Assurance-Aktion, da viele CAcert-Assurer im Publikum saßen (s.u). Die Beiträge wurden unterschielich stark diskutiert. Das stärkste Interesse bestand an Hintergrundinformationen zu OpenOffice.org, nach dem Vortrag wurde am ausführlichsten diskutiert.


x2go – the comprehensive “server based computing” solution

Am spannendsten war für mich dieser Vortrag. Mit Terminalserver Anwendungen habe ich noch nicht gearbeitet, und so konnte ich mir nicht vorstellen, was man alles mit einer solchen Anwendung tun kann. Unterstützt wurde das Aha-Erlebnis durch einen Kollegen im Publikum, der x2go auch privat einsetzt. Mit seinem Netbook demonstrierte er in den Pausen, daß mit dem System bequem auf die eigenen Rechner zu Hause oder in der Firma zugegriffen und mit deren Anwendungsprogrammen gearbeitet werden kann.

x2go scheint einfach installierbar und konfigurierbar und recht stabil zu sein. Es bietet eine umfangreiche, aber einfach zu bedienende Rechte- und Nutzerverwaltung. Ein faszinierendes Feature ist, daß man die Sitzung, mit der man gerade arbeitet, “einfrieren” kann und beim Einloggen über einen anderen Rechner (auch über das Internet) an der gleichen Stelle weiterarbeiten kann. Kein lästiges Ab- und Anmelden, Hoch- und Runterfahren mehr.

x2go wird derzeit vor allem in Schulprojekten eingesetzt, mit Skolelinux u.a. in Afrika, Paraguay, Rheinland-Pfalz und Treuchtlingen.


CAcert – die etwas andere Zertifizierung

Zertifikate werden immer wichtiger, wenn es darum geht, das Vertrauen in elektronische Dokumente zu fördern. Bekannte Certification Authorities (CA) sind z.B. Verisign oder Thawte, deren Zertifikate jedoch je nach Typ zwischen mehreren Hundert und mehreren Tausend Euro kosten. CAcert tritt an, den Community-Gedanken auch auf die Zertifizierung auszudehnen und ein Web of Trust aufzubauen. Die Zertifikate sind kostenlos, es wird auch eine Garantie abgegeben, daß dies in Zukunft so bleiben wird, es wird keine Nachforderungen geben.

Die Authentifizierung geschieht hauptsächlich durch Augenschein. Das bedeutet, daß bei CAcert registrierte und bekannte sog. Assurer neue CAcert-Antragsteller persönlich überprüfen (assuren) und für sie (und die angegebenen Email-Adressen) eine Punktzahl (zwischen 1 und 35) vergeben. Bei Erreichen von (derzeit) 100 Punkten ist eine Person bzw. deren Email-Adresse etc. voll zertifiziert, der / die Betroffene kann dann selbst Assurer werden. Die Überprüfung muß also von mindestens drei Assurern erfolgen. Identifikationsmittel sind, nach vorheriger Registrierung auf der CAcert Webseite, die Ausweise des Antragstellers und der persönliche Augenschein.

Seit dem Start 2002 sind etwa 150.000 Personen und 200.000 Email-Adressen zertifiziert. Jedes Jahr kommen ca. 30.000 Leute hinzu. Die Zertifikate werden von den gängigen Browsern (Opera, Firefox) noch als ungültig gekennzeichnet, weil CAcert nicht in der Standardinstallation implementiert ist, man muß es nachrüsten.

CAcert scheint besonders in Deutschland sehr verbreitet, was sich auch in der Website niederschlägt. Beiträge, Navigation und Hilfetexte bieten eine bunte Mischung aus Deutsch und Englisch. Als unbedarfter Interessent ist man ohne fremde Anleitung allerdings aufgeschmissen. Die Website bietet keinerlei (Einstiegs-) Informationen darüber, worum es überhaupt geht. Wer sich nicht intensiv mit dem Thema Zertifizierung beschäftigt oder über andere Quellen (wie diesen Vortrag) informiert wird, kommt an dieser Stelle jedenfalls nicht weiter.


OpenOffice.org – die große Konkurrenz

Der Vortrag von Florian Effenberger und die Diskussion über OpenOffice.org gab interessante Einblicke in die Entwicklungsgeschichte sowie in die aktuelle Lage des Entwicklungsteams und der mehr und weniger stark Beteiligten. In der sich anschließenden Diskussion wurden von einer jungen kompetenten Mitarbeiterin von Sun Division Ursachen und Hintergründe für die Komplexität und damit schwierige Handhabung des Programm(codes) dargestellt.

Was man heute fast nicht mehr weiß, ist, daß OpenOffice.org in seinen Ursprüngen ein deutsches Produkt war. Die Hamburger Firma Star Division begann in den achtziger Jahren mit der Entwicklung ihrer Office Suite “Star Office”. Diese beinhaltete eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation, ein Präsentationsprogramm und eine Datenbank. 1996 hatte ich eine Version zu Testzwecken installiert, weil die IT meiner damaligen Firma plante, Star Office an Stelle von Microsoft Office einzuführen. Die Besonderheit von Star Office war, alle Programme im gleichen Fenster zu öffnen. Das Arbeiten war dadurch in gewisser Weise erschwert, weil sich mehrere Dokumente nur hinter- aber nicht nebeneinander anzeigen ließen. Auch sonst war vieles noch nicht so ausgereift. Ich konnte die Suite jedenfalls nicht für den Büroeinsatz empfehlen.

Wenige Jahre später wurde Star Division und damit Star Office von Sun gekauft. Aus Star Office wurde mit der Freigabe des Quellcodes OpenOffice.org, das seither immer weiter entwickelt wird. Die Hauptlast der Entwicklung liegt noch bei Sun und seinen Entwicklern (wahrscheinlich auch etliche ehemalige Star Division Leute) sowie bei einigen “Zuliefer”Firmen, die einzelne Module entwickeln und betreuen. Aus der freien Entwickler-Gemeinde gibt es nur wenige, deren Programme und Module tatsächlich in das Gesamtpaket einfließen. Ein Grund dafür ist, daß das gesamte Programm aus über sieben Millionen Zeilen Code besteht, und umfangreiche Teile davon sowie deren Verknüpfung nur schlecht dokumentiert sind. Änderungen unterliegen also einem strengen Revisionsprozeß.

Die Zukunft von OpenOffice.org nach der geplanten Übernahme von Sun durch Oracle ist nicht geklärt, bzw. dem deutschen Verein liegen keine Informationen vor. Vielleicht wird eine alte Überlegung, das Produkt in eine Stiftung einzubringen, dann doch umgesetzt (ähnlich der ehemaligen Netscape Produkte, die die Basis für die Arbeit und Entwicklungen der Mozilla Foundation bilden).


Mozilla – Get involved

Carsten Book arbeitet als QA Engineer für die Mozilla Corporation. Er stellte Mozilla vor, mit einigen Zahlen zur Entwicklung (natürlich 5 Jahre Firefox). Haupttenor seines Vortrages war aber die Werbung um Mitarbeit. Die meisten OS-Projekte stehen und fallen mit dem freiwilligen Engagement von Interessierten. Es muß dabei keine große Programmiertätigkeit sein. Da genügt unter Umständen schon das Berichten von Problemen und Bugs bei der Anwendung der Programme.

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